Der perfekte Tag in Rom: Geheime Museums-Tipps
Rom abseits der Massen: Entdeckt versteckte Kunstschätze und geheime Museen ohne lange Warteschlangen. Der perfekte Tag für Kultur-Insider!
Apartment Sandro Pertini
Casa Pertini Voltolina


Man betritt keine Wohnung, man betritt ein Stück unaufgeregtes italienisches Gewissen. Zwischen den Dächern, gleich hinter dem Trevi-Brunnen, hat der ehemalige Präsident des Volkes sich seine Integrität bewahrt. Wer zwischen Pertinis Pfeifen und Carla Voltolinas Büchern steht, begreift: Wahre Größe braucht keinen Pomp, sondern nur eine gute Aussicht auf Rom und die richtigen Bücher. Ein ergreifender, stiller Gegenentwurf zur Lautstärke der Moderne
Roms schöne Schätze
Über 120 Museen und Sammlungen gibt es in Rom zu entdecken...

Palazzo Venezia
Geht hin, gerade weil alle Welt nebenan beim monströsen Monument für Vittorio Emanuele ansteht. Der Palazzo Venezia ist die Antithese zum römischen Massentourismus: ein Ort kühler, intellektueller Melancholie und cineastischer Grandezza.

Museo Boncompagni
Wer die wahre Seele der italienischen Eleganz sucht, flieht in die stille Pracht des Museo Boncompagni Ludovisi. Dort, zwischen Jugendstil-Dekor und historischen Valentino-Roben, überdauert der Geist des echten ‚Made in Italy‘. Von Palma Bucarelli (Kunsthistorikerin und ehemaligen Direktorin der GNAM) wird ein Großteil ihrer wundervollen, historischen Garderobe ausgestellt.

Palazzo Barracco
Wie ein Refugium der Ewigkeit birgt der Palazzo Barracco den steinernen Atem alter Götter inmitten des römischen Trubels. Ein Abstieg in seinen Keller gleicht einem poetischen Traum, der uns den Puls einer längst versunkenen Welt spüren lässt. Und das inmitten des Centro Storico...
Vom Schlachthaus zum Kunsttempel
Mattatoio
Wer durch die monumentalen Tore des alten Mattatoio in Testaccio tritt, betritt ein Gebeinhaus, das gelernt hat, Geisteswissenschaften zu studieren. Wo bis 1975 das Vieh für die römischen Mägen blutete, befindet sich heute ein außergewöhnliches Kulturareal.
Gioacchino Ersochs geniale Pavillons aus Eisen und Backstein, sind heute die Kulisse für Kunstausstellungen, Architekturstudenten und Avantgarde-Theater. Man wandelt unter den eisenen Führungsschienen, an denen einst die Kadaver hingen, und betrachtet Videoinstallationen und Fotoprints – ein tiefer, fast zärtlicher Kontrast. Es ist eine der schönsten, weil unprätentiöseste Transformation Roms: Hier wird nicht die Antike verwaltet, sondern die Moderne gelebt, im Schatten eines Hügels aus antiken Scherben (Monte Testaccio) und mit dem Duft von Salsiccia aus den Trattorien nebenan.


Kontemplation im Centro Storico
Palazzo Altemps
Man muss den Palazzo Altemps eigentlich als eine Art exklusive Wohngemeinschaft der Unsterblichen begreifen, in der die antiken Skulpturen so unangestrengt zwischen Renaissance-Fresken herumstehen, dass man sofort versteht: Wahrer Luxus ist nicht das Neue, sondern die vollkommene Abwesenheit von musealer Schwere. Touristen ignorieren dieses großartige Museum im Centro Storico, gleich bei der Piazza Navona, bisher. Wer durch die Säle streift, begegnet ganz großen Gesten: Da ist etwa der Ludovisi-Thron, dessen archaische Reliefs eine so rätselhafte Zärtlichkeit ausstrahlen oder der Suizid des Galaters, der uns mit einem verstörenden Pathos begegnet. Und dann steht man plötzlich vor der Juno Ludovisi, diesem kolossalen Marmorkopf, der einen mit einer so herrschaftlichen Ruhe aus leeren Augen ansieht, dass man augenblicklich sein Hemd glattstreichen möchte.

Museo del Genio
Es hat eine tief rührende, fast filmreife Ironie, dass ausgerechnet in diesem monumentalen, faschistisch grundierten Betonbau der 1930er-Jahre, wo alte Brückenmodelle und verstaubte Funkgeräte stumm von der harten Logik des Kriegshandwerks zeugen, heute die schwerelose, urbane Sehnsucht nach Kultur Einzug hält.
Wer durch diesen Innenhof schlendert, begegnet nicht bloß der bleiernen Vergangenheit, sondern sieht, wie sich die Vergangenheit in ein postmodernes Kulissenreich für den aufgeklärten Flaneur verwandeln lässt.
Ein entrückter Ort am Tiberufer, wo die Römer Tennis und Padel spielen, Rudern und Rasten...

Quirinalspalast
Dort oben auf dem höchsten der sieben Hügel Roms, wo einst Päpste residierten und Könige regierten, atmet jeder prunkvolle Saal die Schwere der Geschichte. Doch inmitten der barocken Pracht und der unendlichen Kunstschätze wird man das Gefühl nicht los, dass die großen Dramen der italienischen Politik noch immer hinter schweren Vorhängen inszeniert werden. Es ist ein Ort der majestätischen Distanz, an dem die Republik auf beeindruckende Weise ihre eigene imperiale Vergangenheit feiert, gemixt mit reichlich anspruchsvoller, moderner Kunst. Besucher müssen sich unbedingt anmelden!

Etrusker Museum
Das Etrusker Museum in der prächtigen Villa Giulia ist kein Ort für bloße historische Wühlarbeit, sondern ein schillerndes Panorama einer untergegangenen Hochkultur, die den Römern einst den Weg bereitete. Unter dem Lächeln des berühmten Apollo von Veio wird spürbar, wie sehr dieses geheimnisvolle Volk bis heute die europäische Vorstellung von Schönheit prägt. Schließlich ist dieser lauschige Parkpalast ein faszinierendes Refugium, das uns daran erinnert, dass die eigentlichen Wurzeln Roms nicht in kriegerischer Strenge, sondern in etruskischer Eleganz und Lebensfreude liegen.
Marmorgötter im Elektrizitätswert
Centrale Montemartini


Während sich die Massen vor den Vatikanischen Museen gegenseitig die Urlaubslaune zertrampeln, liegt am Rande von Garbatella ein fast metaphysischer Ort des Trostes. In der Centrale Montemartini stehen makellose antike Marmorgötter inmitten von gewaltigen, tiefschwarzen Dieselmotoren eines stillgelegten Elektrizitätswerks – eine visuelle Wucht, die aus der reinen Reibung zwischen industrieller Moderne und klassischer Unsterblichkeit lebt. Das eigentliche Kunstwerk dieses Ortes ist jedoch seine gänzliche Abwesenheit von Menschen: Man teilt sich die grandiose Einsamkeit der Hallen nur mit den Skulpturen, was diesen Besuch zu einem raren, fast unanständigen Luxus in diesem ansonsten völlig überlaufenen Rom macht. Wer hierherkommt, begreift, dass die wahre Eleganz der Kunstkritik und des Reisens im Aufspüren jener Nischen liegt, die das laute System geflissentlich übersieht.