Wilde Natur, westlich des Vatikans
Die Pinien von Sacchetti
Man muss Rom erst im Lärm ertragen haben, um die Pineta Sacchetti zu verstehen. Draußen, auf der gleichnamigen Via, peitschen die Vespas vorbei, das typische, nervöse Stakkato der Hauptstadt, während hier im Park eine andere Zeitrechnung beginnt.
Die Pinien stehen hier nicht als Dekoration; sie wirken wie knorrige Zeugen einer Epoche, bevor Rom laut wurde. Ihre flachen Schirmkronen filtern das unbarmherzige Licht des Nachmittags in einen nahezu sakralen Schatten. Es riecht nach Harz, trockenem Staub und der fernen Ahnung von Meerwind. Hier inszeniert sich Rom nicht für die Touristen des Petersdoms, der nur drei Kilometer entfert majestätisch und unnahbar in den Himmel ragt.
In der Pineta Sacchetti begegnet man der Stadt in ihrer reinsten, beiläufigen Melancholie. Ein paar Asiaten spielen hektisch im Schatten einer Baumkrone ein illegales Glücksspiel, weiter hinten üben Südamerikanerinnen eine Salsa-Choreografie. Es ist diese Gleichzeitigkeit von Ewigkeit und Banalität, die diesen Ort so anziehend macht. Ein authenischer Volkspark, der nichts beweisen will und gerade deshalb die ganze, wehmütige Schönheit Roms in sich trägt.


Noch schöner als Villa Borghese...
Villa Doria Pamphilj
Die Villa Doria Pamphilj ist der glücklichste Beweis dafür, dass Roms barocker Hochadel am Ende doch für das Volk gebaut hat – wenn auch unfreiwillig. Wo einst Päpste und Fürsten in streng geometrischer Eitelkeit zwischen manirierten Statuen wandelten, joggen heute verschwitzte Römer an Pinien vorbei, während römische Großmütter auf Picknickdecken das süße Nichtstun verwalten. Es ist ein herrlich melancholischer, riesiger Raum, in dem die steinerne Wucht der Geschichte ganz unangestrengt von der lebendigen, gegenwärtigen Nonchalance der Stadt aufgesaugt wird.
Ein kleiner Tipp: Oft wird die Parkanlage mit der Galleria Doria Pamphilj verwechselt. Während die Villa Doria Pamphilj der weitläufige Park auf dem Hügel nahe dem Vatikan ist, handelt es sich bei der Galleria Doria Pamphilj um einen prachtvollen Kunstpalast direkt im Stadtzentrum an der Via del Corso.

Garten der Vestalinnen - Forum Romanum
Man muss sich diesen Ort als eine Oase der kalkulierten Stille vorstellen, mitten im lärmenden Verwaltungsherzen des antiken Imperiums. Der Garten der Vestalinnen war einst der prunkvolle, fast klösterlich abgeschirmte Wohnsitz jener Priesterinnen, die das heilige Feuer der Vesta hüteten. Heute liegt dieser tiefgelegene Innenhof da wie ein melancholisches Versprechen vergangener Würde – gerahmt von den Überresten stolzer Säulengänge, überwuchert von Rosen und besänftigt durch das stille Wasser jener Becken, die einst wohl reinigenden Riten dienten, heute aber vor allem die Vergänglichkeit der Macht spiegeln.

E.U.R.
Wer die E.U.R. betritt, begegnet einer Kulisse, die in ihrer kühlen, mathematischen Strenge gleichermaßen verstörend wie ästhetisch absolut berauschend wirkt. Es ist die faszinierende Gleichzeitigkeit von totalitärem Machtanspruch und visionärer Moderne, die diese steinernen Alpträume in Monumente von seltsamer, zeitloser Schönheit verwandelt. Man muss diesen Ort mit eigenen Augen sehen – nicht um die Geschichte zu feiern, sondern um zu begreifen, wie grandios Architektur scheitern und dabei dennoch triumphieren kann.

Colle Oppio / nahe Domus Aurea
Ein leichter Primitivo (0,2 mit Schraubverschluss), dazu ein schlichtes Panino mit köstlicher Mortadella, ein Platz in der Sonne auf der Parkbank: so ein Picknick ist eine profane Offenbarung. Quasi eine Rebellion gegen die Ewigkeit des Kolosseums. Am Kiosk im Park schließlich wird der Espresso, im Vorbeigehen an der Plastiktheke hinabgestürzt, zum bitter-süßen Schlusspunkt eines Nachmittags, der den grandiosen Moment eines Picknicks in Mitten der Ewigen Stadt - jenseits der allerwildesten Touristenströme.